Montag, 27. Juli 2026

Parzelle 46 und das Märchen vom „typischen Einzeltäter“: Wie der Staat sich die CSD-Tragödie schönredet

Es ist Montag, der 27. Juli 2026 – und im Bundesinnenministerium läuft die Phrasen-Dreschmaschine auf Hochtouren. DER SPIEGEL berichtet heute detailliert über den SEK-Zugriff in einer Spandauer Kleingartenkolonie, bei dem der CSD-Attentäter Abdul B. erschossen wurde. Doch das eigentlich atemberaubende Schmankerl steht wie erwartet am Ende des Berichts: Innenminister Alexander Dobrindt beeilt sich zu versichern, dass solche Taten „typischerweise von Einzeltätern“ verübt werden.

Na, Gott sei Dank! Da fällt dem ehrlichen Steuerzahler doch glatt ein Stein vom Herzen! Ein Einzeltäter! Ein unglücklicher Einzelfall! Ein isoliertes Phänomen! Damit ist die Welt im Ministerium wieder blitzblank aufgeräumt.

Der brave Bube aus der Deradikalisierungs-Gruppe

Man muss sich die Rekonstruktion dieses „typischen Einzeltäters“ in aller Seelenruhe zu Gemüte führen: Abdul B. war den Behörden bestens bekannt. Er war wegen islamistischer Delikte bereits rechtskräftig verurteilt – natürlich auf Bewährung, man möchte einem jungen Mann schließlich nicht die Zukunft verbauen! Im Internet posierte er ungeniert mit Waffen und träumte lautstark von Dschihad und Anschlägen. Doch um die Wogen zu glätten, absolvierte er parallel dazu brav seine Termine in einer staatlich alimentierten Schwafelrunde zur „Deradikalisierung“. Welchen Eindruck er dort hinterlassen hat? Vermutlich den eines Musterschülers mit leichten Orientierungsschwierigkeiten!

Wie es dieser „unauffällige Einzeltäter“ dann allerdings schaffte, einen Mietwagen mitten in den CSD zu steuern, über zwei Dutzend Menschen niederzumähen, ein Opfer zu töten, anschließend mit einer Machete auszusteigen und danach seelenruhig durch die halbe Millionenmetropole Berlin bis nach Spandau zu wandern, um sich in einer Laube einzunisten – das bleibt das exklusive Geheimnis der Berliner Sicherheitsbehörden. Wahrscheinlich war er einfach so unauffällig, dass ihn selbst die Polizeistreifen auf dem Weg nach Spandau für einen etwas übermüdeten Kleingärtner hielten!

Stuhlkreis statt Schutz der Bürger

Das Wörtchen „Einzeltäter“ ist in der deutschen Innenpolitik längst zum magischen Zauberspruch verkommen. Es wäscht die Behörden von jeder Verantwortung rein, wischt Fragen nach fehlerhaften Sicherheitskonzepten vom Tisch und erspart den Ministern die Scham, zugeben zu müssen, dass ihre Kuschel-Deradikalisierungskurse gegen radikale Gefährder so effektiv sind wie ein Pflaster auf einem offenen Beinbruch!

Der Machtfaktor zieht das ungeschminkte Fazit: Wenn gewaltbereite Extremisten Trotz Vorstrafen, Bewährung und Gefährder-Status ungestört Anschläge planen, Autos mieten und durch Hauptstädte marschieren können, dann ist nicht der Täter „typisch“ – sondern das verheerende Staatsversagen im Vorfeld! Aber hey: Es gilt schließlich immer die Unschuldsvermutung. Vor allem für die Damen und Herren in den Ministerien! Mahlzeit!

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