Freitag, 24. Juli 2026

Wuppertaler Verhältnisse im Kanzleramt: Wie Friedrich Merz die Herren-Boutique der Union umbaut

„Ich heiße Carsten … ich heiße Carsten und wurde als altes Kind geboren. Und in 66 Jahren fahre ich nach Island … und da mache ich einen Gewinn von 500.000 Mark … und im Herbst eröffnet dann der Papst mit Frau Warken eine Herren-Boutique in Wuppertal!“

Wer dieser Tage die Pressekonferenzen im Berliner Kanzleramt verfolgt, fühlt sich unweigerlich in ein unvergessenes Loriot-Sketch-Ensemble versetzt. Pünktlich zum Wochenende vermeldet die Berliner Morgenpost das neueste Eilmeldungs-Drama unter der Regie unseres Bundeskanzlers: „Personalbeben bei der CDU – Linnemann-Video sorgt für Spott!“ Man fragt sich bei dieser hochalpinen Regierungsumbildung unwillkürlich: Hat das etwa auch der gute Thorsten Frei organisiert? Mit all der gepflegten Lackafferei und den fein pomadierten Schläfen?

Das Linnemann’sche Adenauer-Prinzip: Wat schert mich mein Jeschwätz von jestern?

Das Highlight der Woche gebührt ohne Frage Carsten Linnemann. Vor gar nicht allzu langer Zeit schaute der gute Carsten noch treuherzig in die Kamera und schwor Stein und Bein, dass sein Platz eisern an der Spitze der Partei als Generalsekretär sei. Doch Carsten wäre nicht das konservativste „alte Kind“ der Parteigeschichte, wenn er nicht spontan das rheinische Adenauer-Bonmot verinnerlicht hätte: „Wat schert mich mein Jeschwätz von jestern?“

Schwupps – wandert Nina Warken aus dem Gesundheitsressort ab ins Kanzleramt. Warken hatte die Beitragszahler bei den Krankenkassen gerade erst trocken rasiert und musste nun schleunigst aus dem politisch heißen Schussfeld evakuiert werden. An ihre Stelle rückt nun ausgerechnet Linnemann! Während die Bundesärztekammer schon besorgt hustet, dass der neue Minister das Gesundheitswesen bitte „zukunftsfest“ machen möge, läuft dem FDP-Veteranen Wolfgang Kubicki auf Twitter bereits das Wasser im Munde zusammen. Wenn die FDP sonst schon keiner mehr hören will, gibt so ein Linnemann’sches Wende-Manöver zumindest fabelhaftes Futter für die wöchentliche Mecker-Kolumne!

Schnieder schniedert ab – und Amthor übernimmt die Hosenträger!

Doch die königliche Posse geht noch weiter. Patrick Schnieder, der bisherige Verkehrs-Spezialist, scheint dem Kanzleramt am Ende doch eine Spur zu eisenbahnfreundlich gewesen zu sein – und dabei wollte er sein Portokässlein doch gar nicht so weit öffnen, obwohl DB-Chefin Evelyn Palla ihm so nett zugeblinzelt hatte. Als der angedachte Nachfolger dann auch noch dankend abwinkte, stand das Fritzli mit reichlich unegalen Pfoten im märkischen Sand.

Die Krönung des Ganzen ist jedoch die Beförderung des unartigen Unions-Knaben Philipp Amthor. Weil man für den ewigen Nachwuchshoffnungsträger bei all den großen Stühlen wie immer keine richtige Verwendung fand, wurde er nun kurzerhand zum Beauftragten für die Bundesländer befördert – oder war es doch das Amt des Präsidenten des Verbandes deutscher Hosenträgerhersteller? Man hat sich da im allgemeinen Trubel vor Lachen vielleicht ganz leicht verhört!

Der Machtfaktor schmunzelt zum Feierabend: Wenn Fritze Merz seine Regierungsriege umbaut, bleibt zwar kein Stein auf dem anderen, aber dafür bleibt garantiert kein Auge trocken. In diesem Sinne: Früher war mehr Lametta – aber heute ist eindeutig mehr Wuppertal! Mahlzeit!

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