Man reibt sich am heutigen Sonntag fassungslos die Augen, wenn man die Berichte aus Düsseldorf studiert. Da schmieren die Umfragewerte ab, die Renten- und Krankenkassenreformen drohen im Herbst dem Bürger das letzte Hemd auszuziehen und an den Zapfsäulen werden Ferien-Raubzüge für 2,14 Euro pro Liter zelebriert – doch im Kanzleramt herrscht die absolute, verordnete Glückseligkeit! Auf dem NRW-Parteitag verkündete Bundeskanzler Friedrich Merz unter tosendem Applaus der Delegierten die frohe Botschaft: „Es liegen sehr gute Jahre vor uns!“
Und wer diese schillernde Zukunft des BlackRock-Adepten Fritz anzuzweifeln wagt, kriegt direkt den kandesbunzlerischen Stiefel verpasst. Mit den unnachahmlichen Worten: „Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Nöler, Nörgler, empörte Berufskritiker: Wegtreten!“ fegte Merz jegliche Kritik vom Tisch. Jawohl, Herr Feldwebel! Wir gehen jetzt gefälligst alle mit Zuversicht und Optimismus an die Arbeit!
Die Refinanzierung über die drei Sozialbetrüger
Um zu demonstrieren, wie energisch er die Republik wieder auf Vordermann bringt, kündigte Merz zeitgleich einen „Aktionsplan zur Bekämpfung des Sozialleistungsmissbrauchs“ an, der noch im Juli vorgelegt werden soll. Das ist natürlich der absolute Geniestreich! Wenn die gesamte Wirtschafts- und Steuerpolitik der Koalition grandios in die Hose geht, refinanzieren wir den maroden Staatshaushalt eben dadurch, dass wir Jagd auf jene drei oder vier Typen machen, die das System austricksen.
Dass die sogenannten „Reförmchen“ der schwarz-roten GroKo in Wahrheit ein übles Flickwerk zu Lasten derer sind, die ohnehin nichts haben und sich ihr Leben lang nach der Decke strecken müssen, ohne sie je zu erreichen – geschenkt! In Merz’ Welt gilt eben das heilige Prinzip der Eigenverantwortung. Wer nach Bildung strebt und einen gut bezahlten Job will, der muss sich eben selbst darum kümmern! Niemand hat diesen Menschen schließlich gesagt, sie sollten sich vor der Zeugung arme und bildungsferne Eltern aussuchen! Wer sich da falsch entscheidet, ist doch wohl selber schuld. Was hindert den gemeinen Förderschüler denn daran, einfach Manager bei BlackRock zu werden, so wie unser Kanzler? Nichts! Außer vielleicht der Mangel an Unterstützung durch Eltern, die sich außer um ihr Smartphone um nichts kümmern können. Aber der Staat sorgt schon dafür, dass jeder dort bleibt, wo er hingehört: ganz unten!
Die Kanonenfutter-Rente: Quält euch, ihr alten Säcke!
Besonders charmant wird es beim Blick auf den Arbeitsmarkt. Während die Industrie lauthals nach Fachkräften brüllt und die jüngere Generation angeblich lieber „influenzt“, statt zu lernen, hat das System für die älteren Semester einen ganz hervorragenden Plan geschmiedet: Arbeitet gefälligst bis 70 durch! Und weil die Rente im Anschluss hinten und vorne nicht reicht, dürft ihr euch als Putzfrauen nützlich machen, an der Supermarktkasse sitzen oder Regale einräumen!
Zur Not, wenn alle Stricke reißen, können sich die rüstigen Senioren ja auch direkt bei der Bundeswehr melden und als lebendes Kanonenfutter für russische Drohnenschwärme an der Ostflanke dienen. Dann haben die alten Knochen wenigstens noch einen staatstragenden Nutzen, während sich die fröhlich jammernde „Null Bock“-Jugend ganz entspannt mit Social Media beschäftigt.
Aber sollte uns Alten das am Ende des Tages wirklich beunruhigen? Ach was! Bis die Jugend merkt, was für eine Scheiße hier gerade für ihre Zukunft betoniert wird, haben wir längst den Deckel zugemacht. Dann schauen wir uns die Radieschen von unten an und betrachten das jugendliche Elend ganz gemütlich von unserer wolkigen Warte im Himmel aus. Macht also was aus euren kleinen Leben, liebe Kinder – wir alten Säcke können und wollen uns schließlich nicht um alles kümmern! Ihr wisst ja sowieso schon alles besser.
Der Machtfaktor stellt fest: Wenn Kanzler Merz den Nörglern das „Wegtreten“ befiehlt, meint er eigentlich den kompletten Sozialstaat. Ziehen Sie sich das gelbe Reform-Trikot ruhig stramm, Herr Bundeskanzler – die Quittung für dieses Hütchenspiel wird Ihnen das Volk schon noch um die Ohren hauen! Mahlzeit!
Was haltet ihr von Friedrich Merz' martialischer „Wegtreten“-Ansage an alle Kritiker? Glaubt ihr auch an die „sehr guten Jahre“, oder seht ihr im Aktionsplan gegen Sozialmissbrauch nur ein billiges Ablenkungsmanöver von den brutalen Kürzungen bei Rente und Gesundheit? Schreibt mir eure ungeschminkte Meinung in die Kommentare!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen