Das Kompetenz-Team: Kleintier-Medizin und betende Strand-Aktivisten
Selbstverständlich durfte auch die Politik nicht fehlen. Agrar- und Umweltminister Till „Eulenspiegel“ Backhaus war sofort zur Stelle, um den „Rettungsaktionen“ seinen ministeriellen Segen zu erteilen. Was folgte, war ein bizarres Schauspiel voller Ahnungslosigkeit. Eine herbeigereiste US-Walexpertin aus Hawaii fühlte sich vom deutschen Rettungsteam derart unverstanden, dass sie nach ein paar Tagen genervt wieder abreiste. Eine deutsche Tierärztin erlitt vor lauter Stress einen Herzinfarkt oder Schlaganfall – genaues weiß man nicht, ist der sensationsgeilen Meute am Strand aber auch völlig egal.
Der verbliebene Rest des Rescue-Teams glänzte primär durch beschissene Kommunikation und totale Ratlosigkeit. Es wurde gebaggert, gesaugt, gegraben und im seichten Wasser gut zugeredet. Und während die Polizei den Strand absperren musste, weil selbsternannte Privat-Fachleute das röchelnde Tier anfassen wollten, schickten esoterische Strand-Gänger Gebete über die Wellen. Geholfen hat es dem Wal erwartungsgemäß wenig.
Das logische Highlight der Aktion sickerte erst später durch: Die verbliebene medizinische Fachkraft vor Ort war eigentlich eine Tierärztin für Kleintier-Medizin. Nun gut, so ein Buckelwal hätte sicherlich noch ein bisschen größer sein können – aber mit einem Zierfisch oder einem Meerschweinchen hatte das Ganze dann doch eher wenig zu tun. Finanziert und ferngesteuert wurde das Chaos übrigens von zwei Millionären, die das Team angeheuert hatten, der Öffentlichkeit aber statt harten Infos nur flache Phrasen servierten.
Der GPS-Krimi und das dänische Finale
Der absolute Höhepunkt des Slapsticks folgte beim Abtransport. Man wuchtete den Wal in eine wassergefüllte Barge und tackerte ihm einen Sender an die Flanke. Das Rettungsteam wusste dabei nach eigenen Angaben selbst nicht so genau, ob das Ding nun GPS-Daten oder Vitalwerte funkt – geschweige denn, wie man das Teil korrekt an der Walhaut montiert. Die Besatzung des Schleppkutters hatte irgendwann die Schnauze gestrichen voll, schmiss den heiligen Wal der Nation einfach irgendwo in die grobe Nordsee und dampfte mit verschränkten Armen und übler Laune wieder ab nach Hause.
Zwar wurde das Tier danach von eifrigen Bürgern zeitgleich an zwanzig verschiedenen Standorten „gesichtet“, am Ende aber dümpelte der Kadaver mausetot vor der dänischen Küste. Und selbst da schafften es die Behörden und Verbände noch, sich um die Reste zu zanken. Mittlerweile haben die segensreichen Bakterien ihr Werk vollbracht und „Timmy“ sieht aus wie ein prall aufgeblasener Luftballon – das perfekte Mahnmal für diese Aktion.
Ein Hauch von Kreml-Propaganda und die bittere Wahrheit
Manchmal beschleicht einen das Gefühl, diese ganze Walgeschichte war ein von langer Hand geplantes Propaganda-Meisterstück des Kremls oder ein Ablenkungsmanöver der AfD (deren rechte Pfosten beim Strand-Spektakel natürlich auch eifrig im Publikum herumlungerten), um die Bevölkerung von den echten Problemen abzulenken.
Denn halten wir den Spiegel doch mal gnadenlos hoch: Wäre dieser gigantische Enthusiasmus, diese Spendenbereitschaft und diese moralische Schnappatmung nur halb so groß, wenn es um das Wohl unserer eigenen Kinder ginge – wir hätten in Deutschland keine Bildungsmisere und keine Kinderarmut mehr. Aber für marode Schulen und hungernde Kinder im eigenen Viertel geht kein Wohlstandsbürger am Strand beten. Da erstattet niemand Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Schwerin wegen unterlassener Hilfeleistung. Da herrscht in der satten Demokratie nur noch lähmende Gleichgültigkeit.
Krankes Deutschland. Wer hat eigentlich zugelassen, dass die Menschen hierzulande derart verblöden und ihre Empathie nur noch für Medienspektakel aufheben, während das eigene Land sozial vor die Hunde geht? Kein Wunder, dass die Zustimmungswerte für die politischen Ränder durch die Decke gehen, wenn gesunder Menschenverstand und echte Prioritäten komplett abhandengekommen sind.
Ach ja, bevor ich es vergesse: Für den Wal gilt wegen seines offensichtlichen Suizidversuchs durch vorsätzliche Mehrfach-Strandung an verschiedenen Ostseeküsten selbstverständlich bis zum Beweis des Gegenteils die Unschuldsvermutung!
Was meint ihr? Ist die Anzeigenflut bei der Staatsanwaltschaft der endgültige Beweis für den kollektiven Kontrollverlust unserer Gesellschaft? Warum bewegt ein verirrter Wal mehr Gemüter als die grassierende Kinderarmut im Land? Schreibt mir eure ungeschminkte Meinung in die Kommentare!
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