Es ist Montag, der 3. August 2026 – und aus den klimatisierten Denkschmieden der Hauptstadt erreicht uns das sommerliche Gejammer der arbeitgebernahen Elite! Im Tagesspiegel lässt DIW-Chef Marcel Fratzscher mit zitternder Stimme die Hülle fallen: Die Rente nach 45 Beitragsjahren (die sogenannte „Rente mit 63“) müsse unverzüglich auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen werden – sonst sei die gesamte Rentenreform „tot“!
Man muss sich diese bodenlose Frechheit in aller Seelenruhe auf der Zunge zergehen lassen! Da schuftet sich der kleine Facharbeiter, der Dachdecker oder die Pflegekraft 45 Jahre lang die Gelenke zu Mehl, um mit 63 oder 65 ohne Abzüge in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen – und das DIW erklärt das zum unbezahlbaren Luxusgut! Die ideale Lösung der Ökonomen-Zunft sieht scheinbar so aus: Schuften bis zum Lungenkollaps am Fließband und danach sozialverträglich im Frühableben verdampfen, damit die Rentenkasse bloß nicht belastet wird!
Zapfsäulen-Melken und Stille-Post im Kanzleramt
Dass Fratzscher seine Drohung ausgerechnet mitten in den Sommerferien raushaut, hat System. Wenn der Pöbel im Stau auf der A7 schwitzt, sich über die gewohnt saftigen Ferienzuschläge an den Tankstellen ärgert und die Mineralölkonzerne fette Zusatzgewinne einsammeln, achtet niemand auf das Kleingedruckte in den Berliner Gazetten.
Und die Politik? Unsere „Fritz-Box“ Friedrich Merz im Kanzleramt reibt sich vergnügt die Hände. In der Union nickt man die Wünsche der Unternehmerschaft ohnehin stramm ab. Und die SPD? Die liefert mal wieder die hohe Schule der gespaltenen Zunge: Während Generalsekretär Tim Klüssendorf im Sommerloch die Rente nach 45 Jahren verbal verteidigt, droht Parteichef Lars Klingbeil im Sinne der Disziplin schon wieder mit dem eisernen „Njet!“ gegen jede Verwässerung. Am Ende wird wie immer gedreht, gewendet und hinter verschlossenen Türen durchgeschoben – mit dem müden Argument, man habe es doch „offen kommuniziert“!
Die starken Schultern bleiben unbelastet
Während dem Facharbeiter der wohlverdiente Feierabend gestrichen werden soll, wagt es natürlich niemand aus den Regierungsrängen, an die wirklich dicken Töpfe zu gehen. Bloß keine höheren Erbschaftssteuern! Bloß keine Vermögensabgabe für Multi-Millionäre, Immobilien-Könige und Firmen-Erben! Nein, die breiten Schultern werden geschont, während man der schrumpfenden Mittelschicht erklärt, sie müsse halt noch ein paar Jahre länger für die Dividenden der anderen schuften.
Der Machtfaktor zieht das unbarmherzige Urlaubs-Fazit: Friedrich Merz und seine Wirtschaftsexperten nutzen die Funkstille der Urlaubszeit knallhart aus. Aber die Rechnung ist ohne den Wirt gemacht. Wer meint, die arbeitende Bevölkerung stumm in den Sozialdarwinismus zu treiben, wird nach der Sommerpause ein böses Erwachen erleben. In diesem Sinne: Passt auf eure Knochen auf! Mahlzeit!
Weiterführende Links:
- „Ohne dieses Element ist die Rentenreform tot“:DIW-Chef Fratzscher drängt auf Ende der „Rente mit 63“ (Artikel auf tagesspiegel.de vom 3.8.2026)
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