Es gibt Momente, da glaubt man, die Vergangenheit endgültig bewältigt zu haben. Man hat die sterbenslangweiligen Regierungserklärungen, das haltlose, einschläfernde Gesülze und die berüchtigte Raute der Macht nach 16 Jahren mühsam aus dem Gedächtnis verdrängt. Und dann, pünktlich zum heutigen Mittwoch, funkt das Berliner Kanzleramt dazwischen: „Angela Merkels Porträt für Kanzlergalerie in Berlin enthüllt“. Nach Jahren der relativen Ruhe wird die Ex-Kandesbunzlerin nun also offiziell im Flur der Macht aufgehängt.
Wenn uns „Mutti“ in den letzten Jahren überhaupt noch positiv im Gedächtnis geblieben ist, dann liegt das vermutlich an Katharina Thalbach. Die hat sich in ihrer Filmreihe „Miss Merkel“ auf geradezu geniale Weise als Uckermark-Detektivin inszeniert – ob beim Mord im Schloss, auf dem Friedhof oder zuletzt 2025 auf hoher See. Thalbach hatte definitiv Unterhaltungswert. Die echte Merkel? Stand eher für die personifizierte, lähmende Langeweile.
30 Jahre Tiefschlaf und ein textiles Zirkuszelt
Blickt man heute nüchtern zurück, wird das ganze Drama erst richtig deutlich: 16 Jahre Helmut Kohl, gefolgt von 16 Jahren Angela Merkel. Das sind mehr als drei Jahrzehnte politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Tiefschlaf. Ein monumentaler Stillstand, der das Land bis auf die Knochen ausgelaugt hat und sich nun unter dem ehrenwerten Fritze Merz und seinem aktuellen GroKo-Affentheater vollkommen unverändert fortzusetzen scheint. Genau diesen bleiernen Geist des „Weiter so“ verströmt auch das neue Staatsporträt.
Über die künstlerische Umsetzung von 16 Jahren verwalteter Konzeptlosigkeit in ein Ölgemälde kann man ja geteilter Meinung sein. Über das, was der Polit-Künstler:In da als Augenkrebs verursachendes Kleidungsstück umgehängt wurde, dagegen eher nicht. Es mag meine ganz persönliche, bescheidene Meinung sein, aber dieses blaue Sakko auf der Leinwand wirkt eher wie ein unförmiges Zirkuszelt denn als First-Class-Garderobe. Man reibt sich fassungslos die Augen über die allseitige Begeisterung, die dieser textile Unfall im Berliner Establishment auszulösen vermag. Visuelle Körperverletzung im Staatsauftrag – anders kann man es kaum nennen! Aber gut, für die eigene Realität kann niemand was, für die Kleidung dagegen schon.
Die „Wir-schaffen-das“-Kanzlerin im rosigen Licht
Der Maler hat sich sichtlich Mühe gegeben, unsere „Ich-hab’s-euch-doch-gesagt“-Regentin einzufangen. Oder war es die „Wir-schaffen-das“-Kanzlerin? Blickt man heute auf die nackten Ergebnisse des Jahres 2026, muss man ganz kühl bilanzieren: Wir haben es eher nicht geschafft.
Aber seien wir für einen Moment gnädig und gönnen wir Angela Merkel ihren ganz persönlichen Aha-Moment in der Ahnengalerie. Denn betrachtet man ihre politische Leistung im Spiegel der heutigen, kopflosen Merz-Regierung, bekommt ihr Wirken plötzlich einen ganz neuen Anstrich. Mit zunehmendem zeitlichen Abstand färbt sich die Vergangenheit ja bekanntlich immer wunderschön rosig ein. Im direkten Vergleich zu dem handwerklichen und kommunikativen Offenbarungseid, den die aktuelle Truppe im Kanzleramt täglich aufs Parkett legt, wirkt Muttis bleierner Stillstand rückblickend fast schon wie eine glanzvolle Epoche der Stabilität. Lassen wir ihr also diesen letzten kleinen, späten Triumph über ihren ewigen parteiinternen Widersacher Friedrich Merz.
Der Machtfaktor stellt fest: Das Porträt hängt, der blaue Blazer leuchtet, und das Land schläft im Geiste der alten Ära einfach weiter. Herr Merz, putzen Sie sich den Puder von der Stirn und schauen Sie genau hin – da hängt das Vorbild für Ihren aktuellen politischen Kurs! Mahlzeit!
Was haltet ihr von Angela Merkels offiziellem Kanzler-Porträt? Findet ihr den blauen Blazer vor Goldgrund auch so gewöhnungsbedürftig oder ist das Gemälde ein treffendes Denkmal für 16 Jahre Merkel-Ära? Und wirkt ihr politisches Erbe im Vergleich zur heutigen Merz-Regierung auf euch auch plötzlich viel rosiger? Schreibt mir eure ungeschminkte Meinung in die Kommentare!
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